Rede zur Vernissage: “Gemeinsam” (Goslarer Museum: 22.11.15)


Helga Gromnica


Wir freuen uns, dass Sie heute so zahlreich erschienen sind, um mit uns, den Künstlerinnen und Künstlern der beiden großen Künstlervereinigen Goslars und des Harzes, die Eröffnung dieser  wichtigen und, was die regionale Kunstszene betrifft, historischen Ausstellung zu eröffnen.
Gemeinsam heißt diese Ausstellung nicht ohne Grund. Es ist die erste gemeinsame Ausstellung des Bundesverbandes Bildender Künstler Harz und der Berufsgruppe Bildender Künstler Harz, nachdem einige Künstler den Bundesverband vor mehr als 20 Jahren verließen und ihre eigene Künstlergruppe gründeten.
Und gemeinsam stehen Frau Dr. Nunold und ich hier vor Ihnen mit einer gemeinsamen Rede. Einmal, um ihnen zwei Ansprachen zu ersparen, aber vor allem, um zum Ausdruck zu bringen, dass es uns um eine gemeinsame Sache die Kunst geht. Die Künstlerinnen und Künstler beider BBKs stehen vor den selben Herausforderungen:  KüntlerInnen-Existenz zu legitimieren und zu sichern in einer  an Verwertbarkeit und Nutzen und kurzlebigen Events interessierten Zeit. Eine Förderung regionaler Kunst und regionaler Künstlerinnen und Künstler findet so gut wie nicht statt. Und dann sollen wir auch noch, um die knappen Ausstellungsmöglichkeiten konkurrieren?
Wir beide stehen auch deshalb hier, um zu sagen: Das wollen wir nicht mehr!

Beatrice Nunold

Es ist unnötig, was auch immer die Gründe für die Trennung waren. Gerade den vielen Neuen Mitgliedern in den beiden Gruppen sind diese Gründe heute nicht mehr transparent. Der Bundesverband und die Berufsgruppe sind schon per se keine Konkurrenzunternehmen.
Der Bundesverband Bildender Künstler ist ein bundesweit organisierter Berufsverband, so etwas wie eine KünstlerInnengewerkschaft, die Berufsgruppe eine KünstlerInnen-Vereinigung.
Wer in der IG-Metall ist kann selbstverständlich im Arbeitersportverein sein. Und wer im Sportverein ist muss nicht in der IG-Metall sein. So ungefähr verhält es sich mit dem Bundesverband und der Berufsgruppe Bildender Künstler. Zudem gibt es schon heute Doppelmitgliedschaften.
Wir müssen nicht derselben Vereinigung angehören, um uns für eine gemeinsame Sache stark zu machen. Wie heißt es so schön und kämpferisch: Gemeinsam sind wir stark!
Aktuell stehen wir als Menschen, Bürgerinnen und Bürger und als Kunstschaffende vor einer riesigen zivilgesellschaftlichen Herausforderung, uns gemeinsam für eine offene Gesellschaft stark zu machen, die Schutzsuchenden  ganz selbstverständlich eine Heimstadt bietet. Es gibt wahrlich wichtigeres, als alte Differenzen zu pflegen.


Helga Gromnica

Unsere gemeinsame Ausstellung ist ein Neuanfang mit Zukunftspotential. Sie zeigt die Vielfalt der regionalen Kunst. Im Harz und in Goslar gibt  es verschiedene Künstlergruppen neben den beiden BBKs. Das ist sehr gut und ein Ausdruck einer reichen und lebhaften Kunstszene. Schon Hölderlin machte als Wurzel allen Übels folgendes aus: 
Einig zu sein, ist göttlich und gut; woher ist die Sucht denn
unter den Menschen, dass nur Einer und Eines nur sei?
Die vielfältige regionale Kunstszene kann, wenn ihr die Chance und die Möglichkeit geboten wird, ein Aushängeschild sein und überregional für Goslar und den Harz werben.
Das Goslarer Museum ist der genuine Ort lokaler Geschichte und Kultur. Seit 1947 bot das Museum dem BBK Harz 40 Jahre die Möglichkeit zu einer jährlichen Ausstellung. Die Stadt kaufte sogar Werke aus den Jahresausstellungen, die im Museum gesammelt wurden. Mit dieser Ausstellung kehren wir an diesen Ort unserer Anfänge zurück.


Beatrice Nunold

Ein ganz besonderer Dank gilt daher Herrn Christoph Gutmann, dessen Idee es war, die beiden BBKs hier in diesem Museum wieder zusammen zu bringen und der damit zum Mentor einer längst überfälligen Versöhnung wurde.
Zu danken haben wir aber auch, und in keinem geringen Maße, Thomas Velte, der diesen schönen Katalog zu unserer ersten gemeinsamen Ausstellung erstellt und layoutet hat. Sie finden in dem Katalog neben allen Kunstwerken, Informationen zu den Künstlerinnen und Künstlern und ihren Werken. Möglich war uns die Erstellung des Katalogs nur durch die finanzielle Förderung des Stiftsgüterfonds Goslar, der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz und der Sparkasse Goslar/ Harz. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken. Greifen Sie also zu. So schnell werden sie eine so umfassende Dokumentation Harzer Kunstschaffender nicht mehr bekommen.

Wir danken Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünschen Ihnen viel Freude und interessante Begegnungen mit den Werken und den Künstlerinnen und Künstlern, nette Gespräche - und überhaupt - einen angenehmen Abend.